Sächsischer Staatsminister für Kultus, Conrad Clemens zu Besuch in Wrocław
Im Mittelpunkt seines Besuchs stand weitere Vertiefung der sächsisch-niederschlesischen Zusammenarbeit im Bildungsbereich.
Zu Beginn seines Besuchs wurde Staatsminister Clemens im Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen in Wrocław von der Leiterin des Büros, Anna Leniart, und dem Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Wrocław, Martin Kremer, empfangen. Im Rahmen eines politischen Briefings informierte sich der Minister über die aktuelle politische Situation in Polen und ihre Auswirkungen auf die deutsch-polnischen Beziehungen. Darüber hinaus stellte Anna Leniart die Arbeit des Verbindungsbüros vor, insbesondere seine Projekte und Initiativen im Bildungsbereich sowie die Zusammenarbeit mit Partnern in Niederschlesien.
Anschließend führte der Besuch in das Marschallamt der Woiwodschaft Niederschlesien, wo Staatsminister Clemens mit Vizemarschall Jarosław Rabczenko zusammentraf. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen Sachsen und Niederschlesien sowie die Möglichkeiten, die Zusammenarbeit im Bildungsbereich weiter zu intensivieren.
Auch die gemeinsamen Herausforderungen, mit denen sich Niederschlesien und Sachsen derzeit konfrontiert sehen, wurden erörtert, insbesondere die Folgen ungünstiger demografischer Entwicklungen. Dazu zählen die fortschreitende Abwanderung aus kleineren Gemeinden und ländlichen Regionen, der Rückgang der Zahl von Kindern und Jugendlichen sowie die damit verbundenen Veränderungen in der Struktur und im gesellschaftlichen Leben der lokalen Gemeinschaften. Diese Entwicklungen führen unter anderem zu einer notwendigen Neuordnung der Schulstrukturen und in einigen Fällen auch zur Schließung von Schulstandorten sowie zu einem zunehmenden Lehrkräftemangel, der insbesondere außerhalb der größeren Städte spürbar ist. Die Gesprächspartner tauschten Erfahrungen aus und erörterten mögliche Lösungsansätze und Maßnahmen, um den negativen Auswirkungen dieser Entwicklungen sowohl in Niederschlesien als auch in Sachsen entgegenzuwirken.
Ein wichtiger Meilenstein des Besuchs war die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen dem Sächsischen Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB), vertreten durch Präsident Patrick Schreiber, und dem Niederschlesischen Bildungskuratorium, vertreten durch die Niederschlesische Bildungskuratorin Ewa Skrzywanek.
Mit der Vereinbarung soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Schulbehörden, Schulen, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern weiter ausgebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem Hospitationen von Lehrkräften, Schülerbegegnungen, neue und vertiefte Schulpartnerschaften, gemeinsame Fortbildungen sowie ein regelmäßiger fachlicher Austausch zu aktuellen Themen wie Migration, Inklusion, Sicherheit, neuen Technologien und Gesundheit.
Ein weiterer Bestandteil der Vereinbarung ist die Förderung des Erlernens der jeweiligen Nachbarsprache sowie die Entwicklung gemeinsamer Projekte im Rahmen des Programms Erasmus+. Die Partner wollen zudem die regionale Identität im deutsch-polnischen Grenzraum stärken und das Bewusstsein für die gemeinsame europäische Geschichte sowie für aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen fördern.
Darüber hinaus sind gemeinsame Fortbildungen für Lehrkräfte in den Bereichen Geschichte, Kultur und Bildung sowie ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch vorgesehen. Die Partner beabsichtigen, sich mindestens einmal jährlich in Sachsen oder Niederschlesien zu treffen.
Im Anschluss besuchte Staatsminister Clemens ein Lyzeum auf dem Campus der Technischen Universität Wrocław. Neben einem Rundgang durch die Schule nahm er an einer Deutschstunde teil und kam mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Vorgestellt wurden außerdem das internationale Bildungs- und Wettbewerbsprogramm CyberTron im Bereich Cybersicherheit und Informatik sowie aktuelle Entwicklungen im Bereich des Quantencomputings.
Der Besuch von Staatsminister Conrad Clemens unterstrich die enge und langjährige Partnerschaft zwischen Sachsen und Niederschlesien. Mit der neuen Absichtserklärung werden die direkten Kontakte zwischen Bildungsbehörden und Schulen beider Regionen weiter gestärkt und zugleich neue Möglichkeiten für Begegnung, Austausch und gemeinsame europäische Erfahrungen junger Menschen geschaffen.